Interview aus "Der Landbote", März 2017

«Freuen Sie sich über Ihren Trotzkopf»

Für viele Eltern ist die Trotzphase ihres Kindes vor allem eines: anstrengend. «Lassen Sie Ihr Kind mitbestimmen», sagt Kursleiterin Susanna Vogel-Engeli. Das entspanne die Situation.

Als Leiterin von Elternbildungskursen haben Sie oft mit abgekämpften Eltern zu tun. Worüber beklagen sich Mütter und Väter am meisten? Susanna Vogel-Engeli: Viele Eltern kommen zu mir, wenn sie nicht mehr wissen, wie sie mit dem Verhalten ihrer Kinder umgehen oder mit ihnen sprechen sollen.

Und woran liegt es meistens? Herausfordernde Phasen zwischen Eltern und Kindern gibt es immer wieder. Oftmals spitzen sich diese aber während der Trotzphase von Kleinkindern oder in der Pubertät zu.

Wie äussert sich die Trotzphase bei Kleinkindern? Meist sind es Gefühlsausbrüche, die sich in Schreien oder Schlägen äussern. Manche Kinder werfen Gegenstände herum, andere schlagen beispielsweise immer wieder ihren Kopf gegen den Boden. Dadurch können sie den Druck abbauen und sich selbst wieder spüren.Einige Kinder ziehen sich einfach zurück oder passen sich an. Das ist eine schlechte Variante.

Warum ist Rückzug schlecht? Bei einem schreienden Kind bemerken die Eltern,dass es mit seinen Gefühlen nicht klar kommt, sie können darauf eingehen und es bei seinem Lernprozess unterstützen. Ein Kind,dass sich zurück zieht, kann mit seinen Bedürfnissen leicht übersehen werden.

Wahrscheinlich hätten viele Eltern lieber ein Kind, das sich zurückzieht, als eines, das herumschreit. Das mag sein. Die Trotzphase gehört aber zur gesunden Entwicklung eines Kindes dazu.In diesem Prozess realisiert das Kind, dass es einen eigenen Willen hat, und lernt erstmals, für sich selbst einzustehen. Verpasst das Kind diese Chance, besteht die Gefahr, dass es überangepasst wird. Sprich, es wird sich später zu stark den Bedürfnissen anderer unterordnen, statt für sich selbst einzustehen. Eltern dürfen sich deshalb darüber freuen, wenn ihr Kind sich gegen sie auflehnt. Es ist ein Zeichen dafür, dass das Kind die ersten Schritte in die Selbstständigkeit macht, und zeigt, dass es sich traut, seine wahren Gefühle ohne Angst vor Ablehnung zu zeigen.

Ich weiss nicht, ob sich Eltern darüber freuen können, wenn sich ihr Kind an der Kasse auf den Boden wirft und schreit. Das Schreien und Auf-den-Boden-Werfen ist eine Reaktion auf ein Gefühl wie Frust oder Ärger, weil die Kinder erkennen,dass sie abhängig sind, obwohl sie Eigenständigkeit erreichen wollen. Dieses Verhalten ist für das Kind ein wichtiges Ventil, um den inneren Druck abzubauen. Eltern können lernen, mit diesen Ausbrüchen umzugehen. Wir kennen das ja von uns selbst: Auch uns überkommen manchmal starke Gefühle.Wir haben aber in jahrelangem Training gelernt, besser damit umzugehen. Diese «Gefühlserfahrung» fehlt einem Kleinkind.

Wie reagiere ich als Elternteil bei so einem Ausbruch? Am besten bewahren Sie Ruhe und atmen tief durch. Wenn es Ihnen möglich ist, zeigen Sie Verständnis für den Frust oder die Wut Ihres Kindes und warten, bis es sich abreagiert hat. Damit signalisieren Sie Ihrem Kind, dass Sie es so akzeptieren, wie es ist. Auch wenn es einmal nciht das tut, was Sie möchten.

Ich soll einfach abwarten bis sich der Sturm gelegt hat? Das ist eine Möglichkeit. Sie können das Kind aber auch in seinem Prozess unterstützen und mit ihm sprechen, indem Sie das Gefühl des Kindes benennen: "Dass ich dir jetzt nichts kaufe, macht dich richtig wütend." Erklärungen nützen in diesem Moment wenig. Zeigen Sie lieber Verständnis für seine Bedürfnisse.

Ich soll mein Kind dabei unterstützen, wenn es im Laden herumschreit? Sie sollen nicht den Ausbruch unterstüten, aber die Situation akzeptieren. Je ruhiger Sie selbst bleiben, desto schneller wird sich Ihr Kind wieder beruhigen. Missbilligende Blicke von anderen Leuten können Sie....

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